Die älteste bekannte Urkunde, in der Gangelt mit dem Datum 828 erwähnt wird, stammt von Einhard, dem Biographen Kaiser Karls des Großen. Nicht nur diese Urkunde erzählt davon, dass Gangelt ein Etappenort mit Herberge und Wirtshäusern war, der auf Reisen zwischen den Kaiserpfalzen Nijmegen und Aachen angesteuert wurde.

Die Stadtgründung erfolgte um 1243. Die fast 800 Jahre alten Stadtmauern zeugen davon, dass Gangelt im Mittelalter ein bedeutender Ort für die Umgebung war, der durch eine Befestigung geschützt werden musste.

Die Gemeinde Gangelt setzt sich aktuell aus 19 Ortsteilen zusammen und hat lt. Einwohnermelderegister eine Bevölkerungszahl von 11.836 (Stand August 2013). Diese Gliederung entstand erst am 1. Juli 1969, als die Gemeinden Breberen-Schümm und Birgden im Zuge der kommunalen Neugliederung eingemeindet wurden.

zeitleiste gangelt

Mercator Portrait
Gerardus Mercator *1512 †1594

Mercator verbrachte einen Teil seiner Jugendzeit von 1512 bis 1518 in Gangelt.

Er war ein kunstvoller Globenmacher, einer der hervorragendsten Kosmographen und Karthographen seiner Zeit und ein guter Instrumentenbauer.

Die Eltern Gerhard Mercators, der eigentlich Gheert Cremer hieß, stammen aus Gangelt. Geboren wurde Mercator am 5. März 1512 im hundert Kilometer entfernten Rupelmonde bei Antwerpen, als seine Eltern, Hubert Cremer und seine Frau Emerentia geb. Rademakers zu Besuch beim Bruder seines Vaters, dem Geistlichen Gisbert Cremer, weilten. Nachdem Mutter und Kind wieder reisefähig waren, kehrte die Familie nach eigenen Aussagen Mercators nach Gangelt zurück, zog dann aber im Jahr 1518 nach Rupelmonde. Dort hatte Hubert Cremer eine „Hofstatt“ mit einem Stück Land erworben, betrieb Landwirtschaft und das Schuhmacherhandwerk. Gerhard Mercator wurde durch seinen Onkel Gisbert gefördert, der ihn studieren ließ. Hier besuchte er auch vermutlich die Lateinschule, bevor er nach s'Hertogenbosch und an die Universität Löwen ging, um seinen Magister zu absolvieren. Später spezialisierte er sich auf Geographie und Kosmographie.

Anfang März 1552 siedelte Mercator mit seiner Frau und seinen sechs Kindern nach Duisburg über, wo er für den Herzog von Jülich-Kleve-Berg Vermessungen durchführte und Karten anfertigte.

Er schaffte es im Jahr 1569, mit einer speziellen Technik, der sogenannten Zylinderprojektion, die Flächen des kugelförmigen Globus auf einer ebenen Karte abzubilden. Sie wurde weltberühmt, denn nie zuvor hatte es jemand geschafft, den Globus so "echt" auf einer Karte abzubilden.
Der Weltkarte legte Mercator ein Netz von Längen- und Breitengraden auf. Mercator hatte so die erste ebene, winkeltreue Karte der Erde entwickelt. Auch der Begriff Atlas für ein Sammelwerk geographischer Karten geht auf Mercator zurück. Seine Karten und Globen galten als die besten, er erhielt Aufträge von Kaiser Karl V. und durfte sich "Kaiserlicher Hofrat" nennen. Die Schiffs- und Luftfahrt orientieren sich bis heute an diesem System.

Nach seinem Tod 1594 brachte sein Sohn Rumold den Weltatlas mit 107 Karten heraus.
Er erschien in 41 Ausgaben in verschiedenen Sprachen.
In der Duisburger Salvatorkirche liegt Gerhard Mercator begraben.

Wer auf Mercators Karten trifft und genauer hinschaut, merkt, dass er eine besondere Beziehung zu Gangelt hatte. Wie selbstverständlich finden sich auf der großen "Tabula Germanica" die Orte Gangelt, Rodebach oder Hastenrath, während andere größere Orte in Deutschland fehlen!

In Erinnerung an Mercator wurde am Schnittpunkt des 6. östlichen Längengrades und des 51. Breitengrades ein Denkmal errichtet (siehe Karte). 

mercatordenkmal

Jacobus Kritzraedt *1602 +1672

"Gangelt ist auf einem hangenden Berg gelegen, wird von Aachen und Maastricht her weit gesehen, wie es da rund und klotzechtig mit seinen Wällen, Toren und 13 schiefergedeckten Türmen und Wehrgängen liegt. ... als man in einen Schieferberg gesehen, also hat alles geblinket, auch die Häuser."

Aus: Annales Gangeltenses, Maastricht / Heinsberg 2005, ISBN(NL) 90-71581-12-8 ISBN(DE) 3-925620-222

So schrieb Jacobus Kritzraedt 1644 in seiner Chronik von Gangelt. Der Jesuit hatte die Urkunden des Ortes von 1300 bis 1644 (einige von ihnen befinden sich im Original im Gemeindearchiv) gesammelt und ausgewertet. Über hundert dieser Dokumente wären für immer verloren gegangen, wenn Kritzraedt sie nicht abgeschrieben hätte.

Kritzraedt wurde 1602 in Gangelt geboren und verbrachte seine Kindheit in Gangelt. Als er 1636 als Jesuit in die Niederlassung nach Sittard kam, begann er, sich mit der Chronik seiner Heimatstadt zu beschäftigen, wo sein Vater neun Jahre lang Bürgermeister gewesen war. Nach acht Jahren mühevoller Arbeit stellte er ein dreibändiges Werk über 300 Jahre Gangelter Geschichte zusammen, eine Chronik, die kaum ein Ort nachweisen kann. Kritzraedt starb 1672 in Köln.

Über 200 Jahre später fand Kritzraedt einen würdigen Nachfolger: Heinrich Josef Otten setzte das Werk fort und fasste in über 1000 Seiten die Gangelter Stadtgeschichte von 1644 bis 1925 zusammen.

Jacobus Kritzraedt wurde in einem Haus nahe des Heinsberger Tores geboren. Eine kleine Statue in einer Nische oberhalb der Tordurchfahrt erinnert an ihn.

jakobus kritzraedt

Gangelter Muhrepenn

Dass Gänse gerne "Muhre" - Möhren - fressen, hatte der Sage nach einmal verheerende Folgen für die kleine Stadt Gangelt. Bei einer mittelalterlichen Belagerung der bewehrten Stadt wurde von schlaftrunkenen Wachsoldaten mangels eines richtigen Pins eine Möhre zur Verriegelung des Bruchtores verwendet. 

Frühmorgens knabberten Gänse die Möhre weg, so dass die Feinde ungehindert eindringen und den Ort plündern konnten. Die Gangelter müssen sich seitdem den Necknamen Muhrepenn gefallen lassen. Die Gans mit Möhre im Schnabel ist überall präsent und Wahrzeichen für den Ort und steht heute als Denkmal vor dem alten Rathaus.

brunneu

Dem Denkmal selbst blieb dabei das eigene Schicksal nicht erspart. Im Februar 2008 wurde die Gänsestatue am helllichten Tage gestohlen. Doch wie es auch zu Gangelt gehört, konnte sie nach nicht mal einem Jahr in Form einer größeren und kräftigeren Statue erstarkt wieder auferstehen.
Zum zusätzlichen "Schutz" wurden auf dem Sockel acht Wappen aus den unterschiedlichen Ortsteilen angebracht.